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Dieser Beitrag ist Teil unserer Reihe, in der wir auf das wissenschaftliche Vermächtnis von Prof. Dr. Elmar Wienecke zurückblicken. In diesem Gespräch beim Schweizer Gesundheitsfernsehen QS24 widmete er sich gemeinsam mit Alexander Glogg einem Thema, das jeden Menschen betrifft, der jemals einen Laborbefund in der Hand hatte:

Warum ein Wert im Normbereich liegen kann und Sie sich trotzdem krank fühlen.

Diese Folge wurde im März diesen Jahres aufgezeichnet und wir sind sehr dankbar, dass Professor Wieneckes Wissen und seine Impulse auf diese Weise noch lange wirken werden.

Wie Laborreferenzwerte entstehen und warum sie kritisch zu hinterfragen sind

Der Ausgangspunkt des Gesprächs war eine Frage, die selten gestellt wird, obwohl sie über die Beurteilung fast jedes Befundes entscheidet:

Wie entstehen eigentlich Laborreferenzwerte?

Prof. Wienecke hatte für die Vorbereitung dieser Sendung bei Laboren nachgefragt und festgestellt, dass häufig rund 100 Analysen durchgeführt werden, aus denen dann Referenzdaten abgeleitet werden. Diese Referenzwerte beziehen sich definitionsgemäß auf 95 Prozent einer als gesund definierten Referenzpopulation.

Genau hier beginnt das Problem. Die entscheidende Frage lautet:

Wer gilt eigentlich als gesund?

Prof. Wienecke verwies darauf, dass zwei Drittel der über 50-Jährigen in Deutschland bereits mindestens zwei bis drei Medikamente einnehmen. Bei einer demografisch alternden Bevölkerung in Deutschland und der Schweiz bedeutet das, dass ein erheblicher Teil der Vergleichsgruppe streng genommen nicht mehr dem Status eines gesunden Menschen entspricht. Zusätzlich verwies er auf eine Recherche der Uniklinik Köln, wonach fünf Prozent vollkommen gesunder Menschen außerhalb der definierten Normen liegen, ein statistisches Problem, das die Aussagekraft der Werte weiter relativiert.

Warum normale Werte eine Erkrankung nicht ausschließen

Ein zentrales Missverständnis, das Prof. Wienecke aufklärte, betrifft die Logik der Normwerte in beide Richtungen. Werte außerhalb der Norm bedeuten nicht automatisch, dass Sie krank sind. Umgekehrt schließen normale Werte eine Erkrankung nicht sicher aus. Symptome können trotz unauffälliger Laborwerte bestehen.

Besonders deutlich wird das beim sogenannten Müdigkeitskomplex. Viele Menschen kommen mit Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und innerer Unruhe in die Beratung, während ihre klassischen Blutwerte vollständig im Normbereich liegen. Prof. Wienecke betonte, dass es gesellschaftlich fast als normal gilt, ständig müde, gestresst und überfordert zu sein. Doch normal im Sinne von weit verbreitet ist eben nicht dasselbe wie gesund. Während akute Entzündungsmarker wie das CRP tatsächlich krankhafte Veränderungen anzeigen, liegen viele Mikronährstoffkonzentrationen im Normbereich, obwohl bereits eine funktionelle Unterversorgung besteht.

Das Fallbeispiel der 42-jährigen Frau: Im Normbereich und trotzdem auf Antidepressiva

Wie folgenreich eine rein an Standardreferenzwerten orientierte Bewertung sein kann, illustrierte der Professor an einem eindrücklichen Fall. Eine 42-jährige Frau zeigte einen Phenylalaninwert von 0,69. Der Referenzbereich des Labors lag zwischen 0,743 und 2,387, der Wert galt also als grenzwertig niedrig, aber unauffällig. Der entscheidende Vergleich ergab sich jedoch erst durch die Datenbank: Der Medianwert von 450 vergleichbaren Frauen in derselben Altersstruktur lag bei 2,156. Im Vergleich zu Frauen mit einem ähnlichen Profil war ihr Wert also dramatisch niedrig.

Die Folge dieser Unterversorgung war gravierend.

Da die Frau auf natürlichem Wege kein Dopamin aufbauen konnte, erhielt sie nach drei Wochen ein Antidepressivum. Nach einer gezielten Mikronährstoffzufuhr und einem behutsamen Ausschleichen der Medikation war sie wenige Wochen später beschwerdefrei. Dieser Fall zeigt, warum die Interpretation eines Wertes entscheidend ist. Messen kann jedes Labor, doch die richtige Einordnung im Vergleich zu einer passenden Referenzgruppe macht den Unterschied.

Ferritin und Haarausfall: Ein unterschätzter Zusammenhang

Ein weiteres Thema, das Prof. Wienecke besonders am Herzen lag, war die Rolle des Ferritins, also des Eisenspeicherwerts. Hier kommt es nach seiner Erfahrung häufig zu Fehldiagnosen, weil Werte im weiten Normbereich liegen und damit als unproblematisch gelten. Am Beispiel einer jungen Frau mit Alopezie, also kreisrundem Haarausfall, schilderte er, dass orale Eisengaben und eine Darmsanierung allein nicht ausreichten, weil das Eisen nicht aufgenommen wurde. Erst eine fachgerecht durchgeführte Infusion in moderater, an die individuelle Situation angepasster Form führte zum Erfolg.

Entscheidend ist dabei ein Wissen, das nach Prof. Wieneckes Worten in keinem Lehrbuch steht: Eine gute Haarstruktur erhalten Frauen erst bei Ferritinwerten über 80 Nanogramm pro Milliliter. Liegen die Werte darunter, reicht die Versorgung oft nicht aus, und die Haare fallen aus, ohne dass die Betroffenen die Ursache kennen. Die Auffüllung erfordert Geduld und Fachwissen. Ein veganer Curryblattextrakt, abends mit etwas Vitamin C eingenommen, kann gut aufgenommen werden, doch die Auffüllung dauert etwa acht bis zehn Wochen. Wichtig ist auch, Eisen niemals zusammen mit Magnesium einzunehmen, da sich beide in ihrer Wirkung aufheben.

Warum die Schilddrüse von Eisen abhängt

Einer der überraschendsten Zusammenhänge des Gesprächs betraf die enge Verbindung zwischen Eisen und Schilddrüsenfunktion. Prof. Wienecke erläuterte, dass 60 bis 70 Prozent der Schilddrüsensteuerung über Eisen laufen. Von den über 30.000 Frauen in seiner Datenbank hatte jede zweite bis dritte ein Hashimoto entwickelt, also eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung. Bei Frauen tritt dies aufgrund der menstruellen Eisenverluste häufiger auf als bei Männern.

Die praktische Konsequenz ist bedeutsam. Bei einer ausreichenden Ferritinkonzentration normalisieren und harmonisieren sich die Schilddrüsenwerte, ein Zusammenhang, der vielen nicht bekannt ist und in der Praxis selten berücksichtigt wird. Prof. Wienecke wies zudem darauf hin, dass die Schilddrüsendiagnostik mehr umfasst als nur den TSH-Wert. Freies T3, freies T4 und die Antikörper gehören ebenso dazu. Besonders die subklinische Unterfunktion wird häufig übersehen, weil bei vielen Patienten, gerade bei jungen Menschen, die TPO-Antikörper gar nicht gemessen werden.

Einmal Hashimoto, immer Hashimoto? Was die Daten zeigen

Ein verbreiteter Glaubenssatz lautet: Einmal Hashimoto, immer Hashimoto. Prof. Wienecke stellte diese Annahme auf Basis eigener Daten infrage. Er verwies auf die Masterarbeit einer Studentin, die 140 Hashimoto-Frauen aus der Datenbank untersucht hatte. Das Ergebnis: Durch eine gezielte Mikronährstoffzufuhr sanken die TPO-Antikörper nach etwa zwölf Wochen deutlich.

Der Schlüssel zum Verständnis liegt darin, dass die TPO-Antikörper ein Indikator für den Entzündungsgrad sind. Eine gute Mikronährstoffversorgung kann das Entzündungsniveau senken, sodass zwar möglicherweise noch erhöhte Werte bestehen, diese aber auf einem deutlich geringeren Niveau liegen. Wichtige Nährstoffe für die Schilddrüse sind dabei unter anderem Selen, Omega-3 und Vitamin D, doch gerade dem Eisen kommt eine zentrale Rolle zu.

Warum Ernährung allein nicht ausreicht

Eine abschließende Erkenntnis, die Prof. Wienecke mit Daten untermauerte, betrifft das Verhältnis von Ernährung und gezielter Mikronährstofftherapie. In einer Untersuchung mit zwei Gruppen hatten beide ihr Ernährungsverhalten verändert. Doch nur in der Gruppe, die zusätzlich gezielte Mikronährstoffe erhielt, veränderten sich die Schilddrüsenwerte messbar. Daraus folgt: Eine Ernährungsumstellung allein führt zu keiner hormonellen Veränderung der Schilddrüse.

Diese Erkenntnis fügt sich in das übergeordnete Anliegen ein, das seine gesamte Arbeit prägte. Es geht darum, biochemische Störungen zu erkennen, sie gezielt zu korrigieren und den Körper in die Lage zu versetzen, sich selbst zu regulieren. Standardreferenzwerte sind dafür ein wichtiger Ausgangspunkt, aber sie reichen nicht aus. Genau deshalb betrachten wir bei Energy for Health nicht nur klassische Laborwerte, sondern beziehen weitere Parameter aus Blut, Speichel und Urin in die Bewertung ein und nutzen darüber hinaus unsere umfangreiche Datenbank, um einen Messwert gegen Menschen mit vergleichbarem Profil einzuordnen.

Sein Vermächtnis: kritisches Hinterfragen statt blinden Vertrauens

Prof. Wienecke ging es nie darum, Ärztinnen und Ärzte zu kritisieren. Sein Anliegen war, die Bewertungsstruktur hinter den Normwerten zu hinterfragen und Menschen zu ermutigen und in die Lage zu versetzen, ihre eigenen Befunde konstruktiv zu reflektieren. Sein Wunsch, dieses Wissen auf universitäre Ebene und in die ärztliche Ausbildung zu bringen, prägte seine Arbeit bis zuletzt. Wir führen diese Arbeit fort, mit dem Anspruch, höchste Qualitätsstandards in der Mikronährstoffdiagnostik zu gewährleisten und sein Lebenswerk verantwortungsvoll weiterzutragen.

Schauen Sie sich das gesamte Video an, um noch mehr Einblicke in das Denken von Prof. Dr. Elmar Wienecke zu gewinnen. Es lohnt sich, dieses Gespräch in voller Länge zu erleben:

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