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Dieser Beitrag ist Teil unserer Reihe, in der wir auf das wissenschaftliche Vermächtnis unseres verstorbenen wissenschaftlichen Leiters Prof. Dr. Elmar Wienecke zurückblicken. In seinem zweiten Gespräch mit Alexander Glogg beim Schweizer Gesundheitsfernsehen QS24 im Mai 2022 gab Prof. Wienecke einen detaillierten Einblick in die Grundlagen seiner Forschungsarbeit, die Funktionsweise der weltweit einzigartigen Mikronährstoffdatenbank und die entscheidende Rolle einer ursachenbezogenen Mikronährstofftherapie.

Seine Überzeugungen und Erkenntnisse bilden bis heute und in Zukunft das Fundament unserer Arbeit bei Energy for Health.

Warum eine normale Blutanalyse Mikronährstoffmangel nicht erkennt

Ein zentrales Thema dieses Gesprächs war die Frage, warum herkömmliche Blutuntersuchungen oft ein unvollständiges Bild der tatsächlichen Versorgungslage zeichnen. Prof. Wienecke erklärte, dass die übliche Serumanalyse, also die Messung im gelben Plasmaanteil des Blutes, selbst bei schwer erkrankten Menschen häufig keine Defizite anzeigt. Der Grund liegt in der Biologie selbst: Wenn das Blut zentrifugiert wird, teilt es sich in einen Plasmaanteil und einen zellulären Anteil auf. Für Laboruntersuchungen wird meist der Plasmaanteil für den akuten Status herangezogen, die entscheidenden Langzeitparameter für die Mikronährstoffversorgung befinden sich jedoch in den roten Blutkörperchen, dem sogenannten intraerythrozytären Bereich. Dieser zelluläre Wert ist nicht von kurzfristigen Ernährungsschwankungen abhängig und liefert damit ein weitaus zuverlässigeres Bild als die Serumebene allein.

Über 60.000 Analysen hatten Prof. Wienecke und sein Team bis zu diesem Zeitpunkt durchgeführt und dabei ein wiederkehrendes Muster festgestellt: Die Serumwerte lagen im Normalbereich, während die zellulären Werte erhebliche Defizite aufwiesen. Seine daraus abgeleitete Erkenntnis war klar: Die herkömmliche Diagnostik reicht nicht aus, um einen drohenden Mikronährstoffmangel rechtzeitig zu erkennen.

Das Kompartimentsystem: Vier Stadien des Mikronährstoffmangels

Prof. Wienecke beschrieb ein mehrstufiges Modell (Kompartimentsysem), an dem er erklärte, wie sich ein Mikronährstoffmangel schleichend entwickelt. Dieses Kompartimentsystem zeigt, dass der Körper über verschiedene Speicher verfügt, die sich nicht gleichmäßig entleeren. Im ersten Stadium kommt es zunächst zu einer Entleerung der Gewebe und Zellspeicher. Betroffene fühlen sich mental und physisch nicht mehr ganz so leistungsfähig, führen das aber häufig auf Stress zurück.

Im zweiten Stadium nimmt die Erschöpfung zu, doch eine normale Blutanalyse zeigt weiterhin keine Auffälligkeiten. Die Speicher sind bereits teilweise entleert und hormonelle Prozesse laufen nicht mehr optimal ab, doch der Befund auf der Serumebene bleibt unauffällig.

Erst im dritten Stadium, wenn bereits funktionelle Störungen vorliegen, beginnt auch die Standardanalytik Defizite anzuzeigen. Zu diesem Zeitpunkt ist „das Kind bereits in den Brunnen gefallen“, wie Prof. Wienecke es formulierte. Rheumatische Probleme, chronische Entzündungen und zahlreiche andere Beschwerden haben sich dann oft schon manifestiert.

Im vierten Stadium schließlich sind die Störungen so ausgeprägt, dass selbst durch eine gezielte Mikronährstofftherapie kaum noch eine vollständige Korrektur möglich ist. Dieses Modell verdeutlicht, warum Prävention und Frühdiagnostik für Prof. Wienecke immer im Zentrum seiner Arbeit standen.

Wie die weltweit einzigartige Mikronährstoffdatenbank individuelle Versorgungslücken sichtbar macht

Das Herzstück der Arbeit von Prof. Wienecke war und bleibt die Entwicklung einer Mikronährstoffdatenbank, die in ihrer Art weltweit einzigartig ist. Über zehn Jahre lang wurden gemeinsam mit Informatikern die Daten von mehr als 60.000 untersuchten Personen integriert. Die Gesamtinvestition in diese Datenbank bezifferte Prof. Wienecke auf einen siebenstelligen Betrag.

Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Laborauswertungen liegt in der individualisierten Interpretation der Messwerte. Während ein Standard Laborergebnis die Werte einer Person gegen einen allgemeinen Referenzbereich abgleicht, in dem gesunde und kranke, junge und alte Menschen gleichermaßen enthalten sind, ermöglicht die Datenbank einen Vergleich mit einer spezifischen Vergleichsgruppe. Über 300 Kategorien und 10.000 differenzierte Ziel und Referenzwerte berücksichtigen dabei Faktoren wie Alter, Geschlecht, Befindlichkeit, Vorerkrankungen und körperliche Aktivität.

Prof. Wienecke veranschaulichte dies am Beispiel einer 42 jährigen Frau, deren Aminosäurewerte Phenylalanin und Tryptophan im Standard Laborbefund als normal eingestuft worden wären. Die Datenbank identifizierte jedoch 450 vergleichbare Frauen mit einem ähnlichen Profil und zeigte, dass die Patientin im Vergleich zu dieser Gruppe erhebliche Defizite aufwies. Ihr Phenylalaninwert lag so niedrig, dass depressive Grundlagen bereits die Folge waren. Im Routinebefund wäre das vollständig durchs Raster gefallen.

Warum Mikronährstofftherapie ohne Ernährungsumstellung nicht funktioniert

Prof. Wienecke betonte in diesem Gespräch mit charakteristischer Deutlichkeit, dass die Mikronährstofftherapie niemals isoliert betrachtet werden darf. Seine Botschaft war unmissverständlich: Wer sein Gewissen nur durch die Einnahme von Mikronährstoffen beruhigen möchte, ohne das eigene Ernährungsverhalten zu verändern, solle das Geld lieber spenden.

Der Grund liegt in der zentralen Rolle des Darmtrakts. Ohne eine gesunde Darmflora kann der Körper zugeführte Mikronährstoffe nicht ausreichend verwerten. Prof. Wienecke verwies auf messbare Parameter wie Zonulin, ein Protein, das Aufschluss über die Darmintegrität gibt, sowie auf das intestinale Fettsäure bindende Protein (IFABP), das nach neuesten Erkenntnissen eine noch detailliertere Aussage über die Darmgesundheit ermöglicht.

Konkret empfahl er eine naturbelassene, pflanzenorientierte Ernährung nach den folgenden Grundsätzen des Glycoplan von Dr. Kurt Mosetter:

  • Fructosearme Beerenfrüchte wie Heidelbeeren, Brombeeren und Erdbeeren bis 15 Uhr, danach kein Obst mehr
  • Glutenfreie Vollkornprodukte, Quinoa und Urgetreide als Basis
  • Möglichst naturbelassene Lebensmittel ohne Konservierungsstoffe
  • Reduktion von Zucker, der als Treiber von Silent Inflammation chronische Entzündungsreaktionen fördert

Er untermauerte dies mit dem eindrücklichen Fall eines Patienten, der durch übermäßigen Obstkonsum einen so hohen Langzeitzuckerwert erreicht hatte, dass er beinahe zum Diabetiker geworden wäre. Nicht weniger Obst war das Problem, sondern die Art des Obstes und die Menge an Fruchtzucker. Diese Verbindung von Diagnostik, gezielter Supplementierung und bewusster Ernährung war für Prof. Wienecke nicht verhandelbar, sondern das Fundament jeder erfolgreichen Therapie.

Wissenschaftliche Evidenz durch über 45 Masterarbeiten und retrospektive Datenanalyse

Auf die Frage nach der wissenschaftlichen Absicherung seiner Forschung konnte Prof. Wienecke auf eine beeindruckende Datenbasis verweisen. Zum damaligen Zeitpunkt waren bereits 46 Masterarbeiten entstanden, die die Ergebnisse der Mikronährstoffdatenbank systematisch untersuchten und validierten. Die gesamte Datenbank wurde retrospektiv wissenschaftlich analysiert, und die Ergebnisse in entsprechenden Interventionsstudien dargestellt.

Dies war ihm wichtig, weil er in früheren Jahren durchaus Gegenwind erfahren hatte. Der Vorwurf, seine Thesen seien nicht evidenzbasiert belegt, trieb ihn dazu an, die wissenschaftliche Dokumentation konsequent voranzutreiben. Dass diese Arbeit durch Stiftungsgelder finanziert wurde, unterstrich seinen Anspruch:

Forschung im Dienste der Gesundheit, nicht im Dienste kommerzieller Interessen.

„Gibt’s noch gesunde Menschen?“ Die wachsende Dringlichkeit der Prävention

Einer der eindrücklichsten Momente dieses Gesprächs war eine Beobachtung, die Prof. Wienecke fast beiläufig teilte. Als er die eingehenden Anamnesebögen durchsah, stellte er selbst bei jungen Menschen eine zunehmende Belastung durch Befindlichkeitsstörungen fest. Sein Kommentar an seine Frau:

„Gibt’s noch gesunde Menschen?“

Es war kein rhetorischer Effekt, sondern die ehrliche Beobachtung eines Wissenschaftlers, der über Jahrzehnte hinweg verfolgt hatte, wie sich die gesundheitliche Lage der Bevölkerung veränderte. Sein Appell war deutlich: Man sollte präventiv handeln und eine Analyse durchführen lassen, bevor man „in eine Krankheit reinrutscht.“ Genau für diese Menschen, die präventiv handeln möchten und keine schwere Grunderkrankung haben, wurde Energy for Health geschaffen. Für Patient:innen mit komplexen Erkrankungen steht das Institut Saluto zur Verfügung, das ebenfalls aus seinem universitären Forschungsumfeld heraus entstanden ist.

Aminosäuren, Schilddrüse und Gehirnstoffwechsel: Die Zusammenhänge verstehen

Prof. Wienecke ging in diesem Gespräch auch auf die Rolle gehirnaktiver Aminosäuren ein. Tryptophan als Vorstufe von Serotonin und Melatonin spielt eine zentrale Rolle für die Schlafqualität. Wichtig war ihm dabei die Unterscheidung: Nicht die reine L Tryptophan Gabe sei zielführend, sondern die Verabreichung von 5 HTP, einer weiteren Stoffwechselstufe, da eine direkte L Tryptophan Gabe unter Umständen toxisch wirken und Entzündungsprozesse verstärken kann.

Auch die Bedeutung von Phenylalanin für die Schilddrüsenfunktion und das allgemeine Wohlbefinden wurde an einem praktischen Beispiel deutlich. Studierende, denen er eine gezielte Phenylalaningabe empfohlen hatte, berichteten bereits nach vier Tagen von spürbaren Veränderungen in ihrer mentalen Leistungsfähigkeit. Die Schilddrüse bezeichnete er als das „Hauptregulat“ des Körpers für die mentale und physische Leistungsfähigkeit, gesteuert von zahlreichen Mikronährstoffen, deren Zusammenspiel wie ein Orchester funktioniert.

Ein Vermächtnis, das weiterlebt

Dieses Gespräch zeigt in verdichteter Form, wofür Prof. Dr. Elmar Wienecke Zeit seines Lebens eingestanden hat: eine Medizin, die Ursachen sucht statt Symptome behandelt.

Eine Diagnostik, die den einzelnen Menschen sieht statt ihn in allgemeine Referenzbereiche zu pressen und seine Daten in einen größeren und unmittelbar relevanten Kontext zu stellen.

Und eine Haltung, die wissenschaftliche Sorgfalt und Neugier mit echter Sorge um die Gesundheit der Menschen verbindet.

Sein Medical Team bei Energy for Health und Saluto führt diese Arbeit weiter. Die Datenbank, der Masterstudiengang, die Forschungsprojekte und die tägliche Beratung von Patient:innen und Kund:innen bestehen fort.

Schauen Sie sich das gesamte Video an, um noch mehr Einblicke in die Forschung und das Denken von Prof. Dr. Elmar Wienecke zu gewinnen. Es lohnt sich, dieses Gespräch in voller Länge zu erleben:

 

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