In diesem Gespräch beim Schweizer Gesundheitsfernsehen QS24 erklärt Dr. med. dent. Andreas Quast, ganzheitlicher Zahnmediziner aus Bielefeld und Senator des Deutschen Gesundheitssenats, was sich hinter dem oft gebrauchten Begriff der ganzheitlichen biologischen Zahnmedizin wirklich verbirgt. Sein Ansatz reicht weit über gesunde Zähne hinaus und betrachtet den Mund als integralen Teil des gesamten Organismus. Er arbeitete gemeinsam mit unserem wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr Elmar Wienecke daran, Prävention und interdisziplinäre Medizin voranzubringen.
Was bedeutet interdisziplinäres Handeln in der Zahnmedizin?
Ein zentraler Aspekt der ganzheitlichen Zahnmedizin ist das interdisziplinäre Handeln. Dr. Quast betont, dass Patienten heute in der Regel mit chronischen Problematiken in die Praxis kommen, und chronische Probleme lassen sich nie durch einen Einzelkämpfer lösen. Gefragt ist vernetztes Handeln, bei dem sich Therapeuten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenschließen und gemeinsam an den Beschwerden der Patienten arbeiten.
Genau dieses Ziel verfolgt die Deutsche Mundgesundheitsstiftung seit mehr als 15 Jahren. Ihr erklärtes Anliegen ist es, dass Mediziner, Zahnmediziner und weitere Therapeuten eine gemeinsame Sprache sprechen und wissen, über welche Zusammenhänge sie sich austauschen. Einmal jährlich findet dazu ein internationaler Kongress statt, auf dem sich Spezialisten aus aller Welt treffen. Aus diesem Netzwerk sind konkrete Arbeitsgruppen entstanden, etwa zur Prävention in Betrieben, die Dr. Quast gemeinsam mit Prof. Wienecke leitete, oder ein Projekt mit der NASA, das Astronauten einfache Selbsttests zur Kontrolle ihres Gesundheitszustands ermöglichen soll.
Wie hängen Speicheldiagnostik, aMMP8 und Mikronährstoffe zusammen?
Ein besonders bedeutsamer Fortschritt liegt in der Verbindung von Zahnmedizin und Mikronährstofftherapie. In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Mikronährstofftherapie und Regulationsmedizin sind drei Forschungsprojekte entstanden und abgeschlossen worden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich mit einem systematischen Speichelscreening über den aMMP8 Marker und einer zielgerichteten Prävention die ganzheitliche Gesundheit von Patienten wesentlich verbessern lässt.
Noch weitreichender ist die Erkenntnis, dass die Gabe einer evidenzbasierten Mikronährstoffformulierung die Gewebezerstörung nicht nur stoppen, sondern auch regenerieren kann. Damit wird deutlich, dass der Mund ein Fenster zum gesamten Organismus ist. Für Dr. Quast lässt sich daraus ein klarer Schluss ziehen: Es gibt letztlich nur eine ganzheitliche Medizin, und die moderne Zahnmedizin betrachtet immer den gesamten Menschen.
Was macht biologische Zahnmedizin aus?
Dr. Quast stellt klar, dass biologische Zahnmedizin mehr bedeutet, als einfach ein wenig Vitamin C zu verabreichen, eine fluoridfreie Zahnpasta zu empfehlen oder unbesehen alle wurzelbehandelten Zähne zu entfernen und durch Keramikimplantate zu ersetzen. Biologische Zahnmedizin ist eine Grundeinstellung, die sich in Diagnostik, Therapie und der gesamten Ausrichtung der Praxis zeigt. Dazu gehört auch das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, das sich etwa im Siegel der grünen Praxis widerspiegelt und von allen Mitarbeitenden mitgetragen wird.
Die Diagnostik und Therapie der biologischen Zahnmedizin berücksichtigt dabei drei Ebenen, die sich gegenseitig ergänzen:
- Neue Erkenntnisse der Biochemie und Labormedizin, darunter der Vitamin D Wert, der aMMP8 Wert als Fitnessmarker des Immunsystems im Mund und der Langzeitkohlenhydratstoffwechsel, die sich mit moderner Technik in Sekundenschnelle in der Praxis bestimmen lassen
- Hightech Medizin mit 3D Röntgentechnik, intraoralen Scans, dreidimensionalen Gesichtsscans und computergestützter Fertigung von Keramik im zahntechnischen Labor
- Die bewährten Verfahren der Naturheilkunde wie bioenergetische Testung, Elektroakupunktur, Kinesiologie und Akupunkturdiagnostik
Ergänzt wird dieses Vorgehen durch Ratschläge zur gesunden Ernährung und Lebensführung. Dr. Quast empfiehlt dabei ausdrücklich eine antientzündliche, möglichst natürliche und wenig industriell verarbeitete Ernährung.
Warum ist Evidenz nicht immer eine Studie?
Ein interessanter Punkt betrifft die Frage der Evidenzbasierung. Dr. Quast verweist auf den ganzheitlichen Strategen Dr. Volkmann, der die berechtigte Frage stellt, was man mehr an Evidenz benötige als den unmittelbaren Nachweis am Patienten. Wenn ein Schmerzpatient orthomolekulare Substanzen erhält und die Schmerzen kurze Zeit später verschwinden, ist das aus dieser Sicht bereits ein starker Beleg für die individuelle Wirksamkeit. Solche komplementären Verfahren werden schulmedizinisch oft noch belächelt, bereichern die Behandlung nach Dr. Quasts Erfahrung jedoch enorm und eröffnen Zugänge zu Behandlungsebenen, die anders nicht erreichbar wären.
Welche Rolle spielen die Grundlagen der Gesundheit?
Gesundheit ist ein komplexes Geschehen, das sich nicht auf zwei oder drei Aspekte reduzieren lässt. Dr. Quast hat die Grundlagen der Gesundheit in einem Modell aus mehreren Säulen zusammengefasst. Dazu zählen eine antientzündliche Ernährung, ausreichende Bewegung, die Vermeidung schädlicher Umwelteinflüsse wie Schadstoffe und Strahlung sowie ein gesunder Schlaf.
Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung sozialer Kontakte. Dr. Quast verweist auf die am längsten andauernde Studie der Medizingeschichte, die über 45 Jahre der Frage nachging, was ein erfülltes Leben ausmacht, und in dem Buch The Good Life mündete. Das zentrale Ergebnis: Die wichtigste Grundlage für ein gesundes und erfülltes Leben sind stabile soziale Kontakte, sei es in der Familie, in Partnerschaften oder im beruflichen Umfeld. Erst am Ende dieser Aufzählung steht die schlichteste Definition von Gesundheit, nämlich die Abwesenheit von physischer und psychischer Erkrankung. In dieses komplexe Gefüge ist die biologische Zahnmedizin als zentraler Baustein eingewoben.
Wie hängen Zähne mit Organen zusammen?
Ein faszinierender Aspekt der biologischen Zahnmedizin ist die Zuordnung einzelner Zähne zu bestimmten Organen, Drüsen und Rückenmarkssegmenten. Der Naturheilkundeexperte Martin Keymer, Gründer des IMU College, beschreibt dieses als holistisches System, in dem alles in allem wirkt und auf alles Einfluss nimmt. Auch wenn der Körper dabei einem chaotischen System gleicht, handelt es sich nach Keymer um ein geordnetes Chaos mit klaren biologischen Gesetzmäßigkeiten.
Im Zentrum steht die Wechselbeziehung zwischen Zahn und Organ. Über eine sympathikotone Triggerung können Störfelder im Mund zu Therapieblockaden führen, die den Heilungserfolg an ganz anderer Stelle des Körpers behindern. Deshalb ist die Lösung solcher Blockaden, etwa durch die Abkopplung von Fokalherden, ein wichtiger früher Schritt in einem übergeordneten Therapieplan. Dies erfordert eine enge und kooperative Zusammenarbeit zwischen naturheilkundlichen Therapeuten und Zahnärzten.
Welches Ziel verfolgt die biologische Zahnmedizin?
Das übergeordnete Ziel der biologischen Zahnmedizin fasst Dr. Quast klar zusammen. Aus der Zahn und Kieferregion soll auf drei Ebenen kein Stress für das gesamte System entstehen. Die erste Ebene ist die entzündliche oder Störfeldebene, auf der die sogenannte Silent Inflammation, also eine chronische stumme Entzündung, eine wichtige Rolle spielt. Die zweite Ebene ist die toxische Ebene, bei der es um belastende Materialien und Schadstoffe in der Mundhöhle geht. Die dritte Ebene betrifft die mechanische Verbindung zum System über das Kiefergelenk und dessen Auswirkungen auf den Bewegungsapparat.
Gelingt es, aus diesen drei Ebenen heraus schädigende Einflüsse auszuschalten, erhält der Patient die Chance, nicht nur sein zahnmedizinisches Problem zu lösen, sondern insgesamt fitter und gesünder zu werden.
Was bedeutet Gesundheitsspanne?
Ein zentrales Konzept der Präventivmedizin, dem sich Dr. Quast als biologischer Zahnmediziner ausdrücklich zurechnet, ist die Gesundheitsspanne. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von etwa 80 Jahren in Deutschland beträgt die Gesundheitsspanne im Mittel nur rund 57 Jahre. Das bedeutet im Umkehrschluss 20 bis 25 Jahre, die von Krankheit, Leiden, Schmerzen und Behandlungen geprägt sein können. Chronische Probleme, die vom Zahn und Kieferapparat ausgehen, spielen dabei eine erhebliche Rolle.
Das Ziel der biologischen Zahnmedizin ist es, diese Gesundheitsspanne zu verlängern und den Anteil der von Krankheit geprägten Jahre zu reduzieren. Dr. Quast plädiert dabei für ein Umdenken. Vieles, was als normale Alterserscheinung hingenommen wird, ist in Wahrheit die Folge einer lebenslangen Belastung durch Fehlernährung und ungünstige Lebensweise. Wer das versteht, gewinnt eine andere Sicht auf das Älterwerden und erkennt darin eine Chance. Statt sich in ein vermeintliches Schicksal zu fügen, kann jeder Mensch aktiv daran mitwirken, gesünder zu werden. Passend dazu beendet Dr. Quast seine Beiträge nicht mit dem üblichen Bleibt gesund, sondern mit dem ermutigenden Werdet gesünder.
Das Gespräch macht deutlich, dass die ganzheitliche biologische Zahnmedizin weit mehr ist als die Behandlung einzelner Zähne. Sie verbindet moderne Labordiagnostik, Hightech Schulmedizin und bewährte naturheilkundliche Verfahren zu einem umfassenden Konzept, das den gesamten Menschen in den Blick nimmt. Der Mund wird dabei zum Ausgangspunkt für eine echte Präventivmedizin, die darauf abzielt, chronische Belastungen frühzeitig zu erkennen und die gesunden Jahre eines Lebens zu verlängern.
Schauen Sie sich das gesamte Video an, um noch mehr Einblicke und Einsichten in die ganzheitliche biologische Zahnmedizin zu gewinnen. Es lohnt sich, dieses Gespräch in voller Länge zu erleben: